Balsam für die Genießerseele

 

 

 

 

 

14. Feber 14. Vor 30 Jahren kam Alois Gölles mit einer Innovation auf den Markt, die das ‚saure Milieu’ dieses Landes ordentlich auf den Kopf stellte. Der Most frischer, steirischer Äpfel wird eingekocht, zuerst zu Alkohol, dann zu Essig vergoren um schließlich 8 Jahre oder mehr in Eichenfässern zu reifen. Der Erfolg war (und ist) ein großer. Am 13. Feber 2014 präsentierte die Familie Gölles die Highlights aus 30 Jahren Balsam Apfel Essig – Produktion. Hier die Notizen dazu.

1984
Der Oldie präsentiert sich in hellem Mahagoni-Glanz. Der Essig wirkt reif, ein 30jähriger Tawny sieht nicht unähnlich aus. In der Nase zeigt er dann, was er noch drauf hat – und das ist allerhand. Zauberhafte Frische, saftige Apfelfrucht, eine vage Andeutung sherryhaft nussiger Noten. Auch am Gaumen überraschend lebendig. Jedenfalls ein fulminanter Start in die Verkostung.

1987
Etwas dunkler als 84, aber immer noch eine wunderschöne Mahagoni-Schattierung. Der Essig besticht durch Pikanz, ein harmonisches Verhältnis von Süße und Säure und überhaupt durch seine ausgeprägte Sortentypizität. Apfel, Apfel und wieder Apfel. Dann vielleicht etwas Quitte. Am Gaumen eine rassige, animierende und extrem sympathische Säure.

1988
Tiefdunkle Farbe, schwarze Schatten. Griechischer Kaffee. Nur optisch. Die Aromen spielen auf der Klaviatur tiefgründiger und rustikaler Noten. Dunkle, wirklich dunkle Schokolade, eingelegte Nüsse, Apfelsirup. Dazu eine zarte malzige Note und am Gaumen dann zwar deutlich süßer als 84 und 87, aber immer noch von eindrucksvoller Finesse.

1990
Es wird wieder heller. Es wird auch wieder fruchtiger. Und würziger. Hier kommen erstmals richtig deutliche Kräuter-Noten ins Spiel. Kardamom, Piment dann wieder reife Banane und leichte Malz-Aromen. Ein Grenzgänger zwischen fleischiger Opulenz und feingliedriger Finesse. Mal hier, mal da.

1991
Schwierig zu beschreiben. Sortentypische Apfelfrucht und kühle Frische einerseits, wenig präzise Karamell-Töne andererseits. Bisher der Essig mit dem vielleicht am wenigsten ausgeprägten Profil. Gut, steht aber im Schatten seiner Brüder.

1992
Noch eine Spur heller. Ausgesprochen expressive Aromatik. Ganz klar auf der malzigen Seite, aber auch deutliche Frucht. Außerdem überrascht der Essig mit einer floralen Note nach frischem Blütenhonig. Streichelweich und gut balanciert.

1994
Möglicherweise der hellste unter den hier verkosteten Jahrgängen. Die Ausgewogenheit ist atemberaubend. Der Essig ist einerseits extrem apfeltypisch (und damit frisch, feingliedrig, delikat und geradlinig), andererseits aber auch butterweich und cremig.

2004
Dem 2004 steht die Jugend noch deutlich ins Gesicht geschrieben. Mehr Apfel geht kaum noch. Die allerersten Assoziationen beim Riechen sind: frisch geriebener Maschansker, Apfelschale, Most. Zu den intensiven Fruchtnoten kommen noch opulente Süße und animierende Säure. Der Essig ist zwar noch jugendlich, hat aber das Zeug für eine große Zukunft.

XA 20yo
Während die Balsam Apfel Essige in ihren Flaschen dahinreifen, entwickelt sich der XA im Fass. Oder besser gesagt in den Fässern. Durch Reduktion entsteht eine immer dichtere, öligere Konsistenz. Ich habe den XA erstmals vor etwa 10 Jahren verkostet. Damals war das Produkt relativ neu am Markt. Verkostet wurde im Xocolat, den XA gab es in Kombination mit extrem hochprozentiger Schokolade. Werner Meisinger war begeistert. Ich kann mich noch gut an meine Verwirrtheit ob des Löffels, der da vor mir lag, entsinnen. „Starr in dieses Dunkel sehend, stand ich lange, nicht verstehend.“ Die Zeilen aus Edgar Allan Poes Gedicht ‚Der Rabe’ treffen ziemlich genau den Punkt. Diese zähflüssige Essenz, extrem malzig, komplex und vielschichtig, dunkelnussig und nach Dörrobst duftend. Ich konnte sie nicht zuordnen, und trotzdem hat sie mich fasziniert. Damals, wie heute.

GÖLLES Schnapsbrennerei & Essigmanufaktur

Bilder von der Verkostung

 

 

 

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