Château d’Yquem 1967: Das erste Date

 

 

 

 

 

Es ist reine Kopfsache. Ich mag edelsüße Weine. 67 ist mein Jahrgang, und viele meinen, der 67er Yquem sei eine große Sache. Also läuft bei mir seit Jahren schon großes Kopfkino, wenn es um den Wein geht. Gestern, bei einer Verkostung des Münchner Weinkreises, hatten wir unser erstes Date. Das Kribbeln im Bauch ist immer noch da. Sieht aus, als könnte es was werden mit uns.

Gold funkelndes Mahagoni. Die Farbe zeigt das Alter, erinnert aber an jungen Armagnac. In der Nase gewaltig. Blitzsauber, expressiv, voluminös, komplex und tiefgründig. Da sind eingelegte Korinthen, Schwarztee, Malz, frisch geröstete Kaffeebohnen, Krachmandeln, Waldhonig und immer noch ein Haufen Frucht. Vor allem weisser Pfirsich und Johannisbeere.

In meiner Jugend hatte ich eine stattliche LP-Sammlung. Da waren Platten dabei, die so gut waren, dass ich oft erst Tage nach dem Kauf auf die Idee gekommen bin, mir auch die zweite Seite anhören zu können. Natty Dread von Bob Marley war so ein Album. Oder My Generation von The Who. Mit dem Yquem ist es ähnlich. Das Aroma ist so fesselnd, dass man darüber fast vergessen könnte, ihn auch zu trinken. Dabei geht da erst richtig die Post ab. Balance, Struktur, Komplexität, Länge. Alles ganz großartig. Der Wein tänzelt verspielt zwischen Präzision und Eleganz auf der einen und Zugkraft und Dichte auf der anderen Seite. Und er bleibt am Gaumen präsent. Eine gefühlte Ewigkeit.

Ich hatte für die Verkostung meine eigenen Gläser dabei. Es war zu spät, ich war zu faul. Sie blieben ungewaschen im Auto liegen. Heute morgen habe ich sie geholt. Es war kristallklar, in welchem Glas der 67er drin war. Ich rieche immer noch daran herum.

Der guten Ordnung halber: es waren natürlich auch noch andere Weine am Start. Von Château d’Yquem die Jahrgänge 1973 (gut, hat seinen Horizont aber schon überschritten), 1999 (fruchtig, mit noch reichlich Babyspeck), 1990 (leider gar nicht geil), 1986 (ein Spätzünder mit Überraschungseffekt), 1995 (ein Extraktionswunder und zweifelsfrei eine positive Überraschung), 1980 (darüber legen wir diskret den Mantel des Schweigens), 2001 (gut, aber meilenweit von den kolportierten 100/100 und 20/20 Punkten entfernt. MEILENWEIT).

Der Rest waren Piraten. Zwei 59er, beide hinüber und zwei Rheingauer Beerenauslesen, die so gut waren, dass sie einen eigenen Beitrag bekommen.

Kollege Rembold hat auch mitgeschrieben:

 

 

 

 

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