Das frankophile Naturweintasting von Vins Vivants

 

 

 

 

 

Erstaunlich und beeindruckend, was Alex Zülch da an Schätzen zusammengetragen hat. Das natural wine-Sortiment ist umfangreich, präzise und spannend. OK, ein paar mehr Österreicher könnten nicht schaden. Aber das wird schon noch. Hier ein paar Weine, die mir von der Naturwein-Verkostung im M-Belleville in München in Erinnerung blieben:

1997  ZELLBERG Pinot Gris de Voile, Domaine Julien Meyer, Nothalten (Elsass)
Ein schräger Wein zum 1-stieg. Helles Bernstein, leichte Trübung. Dann ein Knalleffekt. Ein Aromenkonglomerat aus reifen, geraspelten Äpfeln, Roiboostee und Malzkaramell. Dazu feuchtes Steinmehl und hochreife Ananas. Ich stelle das Glas zur Seite. Versuche, meine Gedanken zu ordnen. Führe das Glas wieder zur Nase. Zitrusschale, nussige Noten, die an trockenen Sherry erinnern. Der Wein wird immer seltsamer. Und faszinierender. Am Gaumen trocken, reif, gut stützende Säure, viel Gerbstoff. Aber alles in guter Balance. Der Zellberg hat alles, was ich von einem natural wine erwarte. Komplexität, Länge, Struktur und Potential. Jetzt bin ich neugierig, und die Info zum Wein überrascht mich. 48 Monate unter Florhefe, wie die Winzer im Jura es mit ihrem vin jaune machen.

2011 NATURE (Sylvaner, Pinot Gris), Domaine Julien Meyer, Nothalten (Elsass)
Der NATURE ist hell, frisch, frech, fruchtig und hat einen enorm hohen Trinkspassfaktor. In der Nase präsentiert sich der Jüngling blitzsauber, jugendlich und atemberaubend frisch. Ausgeprägte Zitrusnoten nach Fruchtfleisch, Zeste und Gras. Dazu jugendliche Steinobstfrucht und leichte Salzigkeit. Knackige Säure und unglaublich trinkanimierend. Der Wein hat zwar nicht die längsten Längen und auch mit der Komplexität spielt sich vorwiegend am Gaumen ab. Mehr verlangt aber auch keiner. Ein kühler, überraschender Elsässer, ein Winner unter den Trinkweinen.

2010 Riesling GRITTERMATTE, Domaine Julien Meyer, Nothalten (Elsass)
Schwierig. Riesling und „natural wine“ ist eine Liaison, die nicht immer funktioniert. Was heisst nicht immer. Sie funktioniert höchst selten. Anfangs habe ich auch mit der GRITTERMATTE meine Schwierigkeiten gehabt. Dann auch noch leicht beeinflußt vom Steinobstnotenfetischismus, der hierzulande grassiert, konnte ich zu der Fülle an Mineralik keinen rechten Zugang finden. Aber mit der Zeit im Glas und etwas Geduld entfaltet sich die Grittermatte. Und wird gelbfruchtig, das Saure vom Anfang wird balancierter und die Mineralik gefälliger. Am Schluss steht ein typischer Elsässer mit wenig Frucht, dafür viel Mineralik und Komplexität.

2009 Just Ciel (Grenache gris, Grenache blanc, Macabeu), La petite baigneuse, Maury (Roussilon)
Es ist der Wein, des Abends! Gut belüftet, hell und hefetrüb präsentiert sich der Wein in der Karaffe. Unscheinbar fast. Aber das täuscht. An dem Wein ist ordentlich was dran. In der Nase schiefrige Mineralik. Dazu eine Spur Orangenschale und zarte Nusstöne. Dicht und kompakt am Gaumen und vor allem von vibrierender Lebendigkeit. Ein Wein, der es vermag, den Geist zu beflügeln. Mit dem Wein führt uns Philipp Wies eindrucksvoll vor Augen, wie wenig wir über Roussilon wissen.

2011 Côtes du Rhone Petite Ours Brun, Domaine Du Coulet, Cornas (Côtes du Rhone)
Ich mag Cornas. Die Weine, die von dort kommen sind Wölfe im Schafspelz. Mächtige, tanninreiche Weine, die erst nach vielen Jahren maskulinen Charme entwickeln. Und dann kommt dieser kleine braune Bär und stellt mein Weltbild auf den Kopf. Der Petite Ours ist ganz Syrah und ganz anders, als erwartet. In Beton spontanvergoren, mehr oder weniger schwefelfrei und unfiltriert. Dabei herausgekommen ist ein Wein von einnehmender Wärme. Er erinnert an feuchtes Moos und sommerlichen Waldboden. Dann, wenn das Moos am Morgen zwar nass ist, von der Sonne des Vormittags aber erwärmt wird und Dunstschwaden durch das Unterholz ziehen. Dazu kommen nicht minder warme Gewürznoten, die ans Exotisch-orientalische erinnern. Ein Schmeichler, ein kleiner brauner Bär eben. Ein Wein zum Streicheln. Bald neu im Sortiment von Vins Vivants (wo es auch die anderen Weine gibt)

 

 

 

 

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