Michael Schmidt. Lebensmittel

 

 

 

 

 

Vom 15. Juni bis 26. August 2012 zeigt die Galerie im Taxispalais in Innsbruck die Fotoausstellung ‚Lebensmittel‘ des deutschen Fotografen Michael Schmidt.

Gleichzeitig legt der Künstler einen aufwändig gestalteten Band mit sämtlichen Bildern der Ausstellung vor. Zusammen eine beunruhigende Bestandsaufnahme moderner industrieller Lebensmittelproduktion. Und genau deswegen absolut empfehlenswert.

 

Michael Schmidt in der Galerie im Taxispalais

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Ausstellung ‚Lebensmittel‘ ist Innsbruck bereits die zweite Station. Zuvor war sie im Museum Morsbroich in Leverkusen zu sehen, danach wartet der Gropius-Bau in Berlin. Schmidt zeigt die unterschiedlichsten Aspekte industrieller Lebensmittelproduktion. Wer allerdings bluttriefende Schlachthausbilder, weinende Kälber im Tiertransporter oder Erntehelfer in Vollkörperschutzanzügen erwartet, wird enttäuscht. Schmidt geht es nicht um Ekel oder schnelle Provokation. Seine Bilder wirken anders. Sie wirken nicht einmal für sich. Vielmehr ist es ein Gefühl der Unruhe und Nachdenklichkeit, das sich beim Beobachter aufbaut. Vor allem, wenn die Bilder in ihrer Gesamtheit, also im Ensemble und ihrer Anordnung im Raum wahrgenommen werden.

Im Diskurs über die Ausstellung werden die Bilder oft als „verstörend“ bezeichnet. Das sind sie aber nicht. Die Fotos sind klar und präzise. Sie erzählen Geschichten. Fragmente von Geschichten, um genau zu sein. Fragmente, die sich am Ende zu einer Rahmenhandlung fügen. Und genau diese Handlung gefällt mir nicht. Sie handelt von Aquakulturen im Norden Europas. Kulturen, in denen Speisefische mit Fischmehl produziert werden, das den Weltmeeren entnommen wird. Von Lebensmitteln, die erst bei sehr genauem Hinsehen von ihrer Verpackung unterschieden werden können.

Neu ist, dass sich Michael Schmidt erstmals mit dem Thema Farbe auseinandergesetzt hat. Das inhaltliche Thema profitiert von diesem Experiment. Die Auswahl bekommt dadurch Akzente, Leben an Stellen, wo sie es dringend nötig hat. Die Bilder selbst sind keine perfekt gestylten Licht- oder Form-Kompositionen. Manche wirken sogar wie aus der Hüfte geschossen. Teilweise sind sie unscharf, manchmal wirken sie zufällig. Am Ende weiss man, dass sie es nicht sind.

Ein gewaltiges Buch

Der Bildband ‚Lebensmittel‘ ist weit mehr als ein Ausstellungskatalog. Das Buch ist großformatig, schwer und in hochwertiger Ausstattung erschienen. Und zwar ausschließlich mit den Bildern der Ausstellung. Ohne Text. Während bei der Ausstellung der Blick des Betrachters oszillieren kann und mit jeder Fokussierung eine neue Geschichte entdeckt werden kann, lebt das Buch von der festgelegten Reihenfolge der Aufnahmen. Durch die Größe des Buches ist die Wirkung auf den Betrachter immens. In manche Bilder kann man minutenlang eintauchen, andere wollen schnell übersprungen werden. Mit seiner Auflage von 1.000 Stück ist das Werk ein Kunstwerk für sich und sollte in keiner gastrosophischen Bibliothek fehlen.

 

Michael Schmidt, Ohne Titel, # 17.139, aus: Lebensmittel, 2006-2010 © Michael Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Schmidt. Lebensmittel, Köln 2012.
Michael Schmidt. Lebensmittel, Köln 2012.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Galerie im Taxispalais
Galerie des Landes Tirol
Maria-Theresien-Straße 45
6020 Innsbruck
Austria
T +43 512 508 3171
F +43 512 508 3175
taxis.galerie@tirol.gv.at
www.galerieimtaxispalais.at

Michael Schmidt
Lebensmittel
16. Juni – 26. August 2012


 

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