Triodynamie champenoise: Léclapart, Fleury & Bedel

 

 

 

 

 

Isabelle Legerons RAWfair in einer alten Brewery in Spitalfields, London, hat sich gelohnt.Eine Menge grandioser Weine, biodynamisch, natural, gut. Ein paar Ausrutscher waren allerdings auch dabei. Über die werde ich nichts erzählen und den Tweedcoat des Schweigens breiten. Dafür über herausragende Weine aus Sancerre und Pouilly. Über phänomenale Chablis, Saviennières, Vin Jaunes und Champagner. Und mit denen beginne ich.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit waren Bio-Champagner eher selten. Nicht falsch verstehen – die Regel sind sie immer noch nicht, aber die Zahl steigt stetig. Auch die Zahl jener, die sich dem biodynamischen Weinbau verschrieben haben. Das hat vermutlich damit zu tun, dass es sich bei den Winzerinnen und Winzern um Individualisten handelt. Kein Verband, keine Logos. Keine gemeinsamen Vermarktungsversuche. Von ihrer Mitgliedschaft bei überregionalen Gruppierungen wie Biodyvin (Bedel) oder demeter (Fleury) abgesehen. Bei Nicholas Joly’s Renaissance des Appellations sind sie alle drei.

 

Françoise BEDEL & Fils, ‚Entre Ciel et Terre‘, NV, Champagne AOC
100 % Pinot Meunier ist viel. Aber sie haben auch viel davon. 80 % der Bedelschen Fläche ist mit der Müllerrebe bestockt. Die verbleibenden 20 Prozent teilen sich Pinot Noir und Chardonnay zu ungleichen Teilen. Den ‚Entre Ciel et Terre“ gibt es in den Ausprägungen brut und brut nature. Obwohl als Brut nature eine Spur komplexer und tiefer, ist der Entre Ciel et Terre brut ein Terroirwein allererster Güte. Das Aroma schwankt zwischen intensiven Blütennoten und handfestem Anisbrot. Blütenhonig rundet das Bild ab. Am Gaumen ist von dieser süsslichen Verspieltheit nichts mehr zu spüren. Hier herrschen Mineralik und straffe Eleganz.

Françoise BEDEL & Fils, ‚Origin „elle“‚, NV, Champagne AOC
Ganz anders der ‚Origin“Elle“‚. So sperrig das Wortspiel auch ist, so harmonisch und weich ist der Champagner. Brillant funklelndes Gold und von bestechender Klarheit.  Feiner, zerbrechlicher Schaum aus dem eine kleine Venus emporsteigen könnte. In der Nase unglaublich dicht und ausdrucksstark. Steinobst – irgendwo zwischen hochreif und getrocknet. Kandierte Marille und ein Hauch – ja, Haselnuss. Mit etwas Phantasie könnte man sogar reifen Brandy vermuten. Am Gaumen ein Pendler zwischen verspielter Jeunesse und nobler Reife. Der Pinot Meunier-Anteil ist nicht so hoch wie beim „Entre Ciel et Terre“, aber immer noch ein knappes Drittel. Den Rest teilen sich Charonnay (hauptsächlich) und etwas Pinot Noir.

Fleury Pere & Fils, Blanc de Noirs, NV, Champagne AOC
Fleury ist der alte Hase am Bio-Champagner-Markt. Der Wein steht bei einer großen Zahl von Händlern und Bio-Supermärkten im Regal. Bis 2010 war der „Carte Rouge“ das Flaggschiff im Hause Fleury. Eine frische, fruchtige und unglaublich ausgewogene Cuvée. Abgelöst wurde sie 2010 vom Blanc de Noirs brut , einem reinsortigen Pinot Noir. Den kann (und will) er auch nicht leugnen. Hinter einem ausgesprochen hefigen ersten Eindruck überzeugt der Blanc de Noirs durch zarte Erdbeernoten, aber auch Himbeere und reife Kiwi. Ein vollmundiger, ernsthafter Champagner. Ganz großartig.

Fleury Pere & Fils, Rosé De Saignée, NV, Champagne AOC
Wieder ein reinsortiger Pinot. Aber irgendwie ist etwas anders. Von Fleury kennt man (wie oben grade beschrieben) eher schwere, vollmundige Weine. Der Rosé entspricht eher der bekannten Rosé-Stilistik in der Champagne. Fein, geradlinige Eleganz, frische Fruchtnoten bei markanter Säure, trocken (aber mit der Andeutung eines klitzekleinen Zuckerrests. Genau das ist er: leichtfüssig, elegant, süffig, spritzig. Zu allerlei Unsinn verführend.

David Léclapart, 2004  Apôtre, Champagne AOC
Léclapart ist ein kleiner Winzer. In Österreich nahezu unbekannt – oder zumindest ein Geheimtipp. Von Trépail aus, einem premier cru-Ort, stellt er die Champagnerwelt und ihre Regeln auf den Kopf. Ausschließlich Blanc de Blancs, ausschließlich Millésimes, keine (!) Dosage, dafür 100 % Bio und aus Einzellagen. Ein Jahrgang, eine Rebsorte, eine Lage. Ultimativer kann die Bruch mit den Traditionen der Champagne nicht sein. Der Apôtre ist Léclaparts Premium-Champagner und hat längst Kult-Status. 2004 war ein klassisches Jahr (was den Witterungsverlauf betrifft). Ergo ist der 2004er Apôtre auch ein Klassiker mit allem, was ein Klassiker braucht. Immer noch Strohgelb mit leichtem Hang zum Grünlichen, dunkler Kern. Der Wein ist expressiv und zeigt Charakter. Gelbfruchtig, Röstaromen, Haselnuss und ein Hauch Vanille. Am Gaumen dann werden Nüsse noch nussiger. Und klarer. Macadamie, Peca. Ein Champagner mit Potential. Das klingt jetzt weniger, als es ist. Der Wein hat das Zeug zum ganz Großen. Und ist auf gutem Weg.

 

 

www.champagne-bedel.fr
www.champagne-fleury.fr

 

 

 

 

 

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