Ungerbergen – die Cabernets der Prielers

 

 

 

 

 

Intensiv, improvisiert und von Georg Prieler ausgesprochen sympathisch moderiert: 9 Jahrgänge Cabernet Sauvignon. In 3 recht schlüssigen Flights.

Flight 1 – der Alten „alte Schule“

1989 Cabernet Sauvignon|Blaufränkisch  Ungerbergen
Wow! Was für ein Start. In der Nase erst ein wenig Ribisel, Orangenzeste und Piment. Das Holz (und es ist sonnenklar, dass das einst neues, deftig getoastetes Holz war) ist wunderschön eingebunden. Der Blaufränkisch hat dem ganzen ein wenig Säure beigesteuert. Durch seine würzig-rauchige Grundtendenz erinnert der 89er ein wenig an die ruppigen Cabernet Francs von der Loire. Trotz seines Alters enorme Strahlkraft. Frei nach Höhner: Der Moment, der ist GENAU JETZT!!

1993 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Wieder Wow! Diesmal aber wegen Charme und Komplexität. Würzig-pfeffrig. Cassis in voller Reife. Ätherisch, rustikale Noten nach frischen Pilzen und Herbstwaldboden. Noch mehr Barriquetöne als beim 89er, werden im Glas aber immer schöner. Überhaupt steigert sich der Wein von Minute zu Minute. Braucht Zeit. Im Glas und auch am Gaumen. Und noch ein paar Jahre in der Flasche um zu seiner wahren Größe zu finden. Ein Wein für eine kleine Ewigkeit.

1995 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Kühle, helle Noten. Schwarze Johannisbeere und Cassisblüte. Wirkt jung und zeigt trotzdem wunderbare Kaffeenoten. Kämpft zwar noch ein wenig mit dem Holz, aber dazwischen kommt immer wieder ein Schub Bitterschokolade. Straff und (ein wenig) streng. Trotzdem wunderschön. Wird halt nur noch schöner. Hoffentlich.

 

Flight 2 – Der Alten „neue Schule“

1997 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
97 war ein warmes Jahr. Die Prieles haben einiges überdacht. Im Sinne von „neu denken“, nicht von „Dach drüber“. Mehr Ausdünnung, Batonnage. Beim Wein zeigt sich das recht deutlich. Kernig, Johannisbeerdicksaft, ein wenig kommt das Holz durch immer wieder drängt sich geröstetes Kaffeemalz in den Vordergund. Vorne deutlich fruchtig, um die Mitte herum gefühlte Süße, dahinter der Gerbstoff. In der Nase auch Pulver vom getrockneten Paprika und Aroniabeere. Überhaupt macht der Wein ordentlich Druck. Eine Schönheit.

1999 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Tiefdunkel. Steht kraftvoll und kompakt da. Eine Spur geradliniger als 97. Mit seiner üppigen Ruppigkeit und dem omnipräsenten Sauerkirsch-Unterton erinnert der 99er an die frühen, (leicht) flüchtigen Ornellaias. (Das ist O-Ton Georg Prieler, ich bin da aber voll dabei). Immer noch viel neues Holz, weniger Fruchtpräzision als 97, hat aber in seiner kokketierenden Wildheit durchaus Charme.

2000 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Besticht durch bezaubernde Opulenz. Wirkt selbstbewusst, juvenil und kraftvoll. Trocken, sauber, jugendlich, extrem ausdrucksstark und wuchtig. Sauerkirsch, Cassis, Pfeffer. Müsste fast außer Konkurrenz betrachtet werden. Jedenfalls der hochwertigste Wein, wenn auch der, der den Großteil seiner Glanzzeit noch vor sich hat.

 

Flight 3 – Die Jungen

2002 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Mit diesem Jahr haben die Jungen erstmals versucht, mehr auf Eleganz und Feingliedrigkeit zu achten. Prompt ist der Ungerbergen der eleganteste und „zarteste“ Wein unserer Serie. In der Nase zwar rustikal-erdig, aber nobel erdig. Landadel eben. Pilze, Nuss, eingelegte Johannisbeeren. Insgesamt rund, ausgeglichen, harmonisch, reife Tannine. Im Moment gut. Viel besser wird er aber nicht mehr.

2006 Cabernet Sauvignon Unterbergen
Wieder ein Wein, der an Ornellaia (aber auch an andere Sangiovese-based Tuscans) erinnert. Sauerkirsch ohne Ende. Überhaupt unterscheidet sich der Wein von seinen Brüdern durch die Intensität und Präzision seiner Fruchtnoten. Ziemlich gut, aber nicht spannend.

2009 Cabernet Sauvignon Ungerbergen
Ha! SEHR spannend. Mir ist schon klar, dass wir hier über eine verboten junge Schönheit reden. Aber von einer Schönheit, die sehr genau weiss, was sie will und was sie einmal  zu bieten haben wird. In der Nase Kaffeesatz pur, Vogelbeer. Die ledrigen Noten oszillieren zwischen frisch gegerbtem Leder und eingerittenem Sattelleder. Enorm deutliche Noten nach feuchtem Schilf. (Gut, das haben viele andere Weine in der Serie auch gehabt. Hier sind sie allerdings nicht zu leugnen. Hochspannende Gerbstoffstruktur. Ein Ausreisser, der irgendwann einmal verdammt viel Freude machen wird.

 

 

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